Sie befinden sich hier: EMS Exhibits Referenzprojekte Dialog im Dunkeln

Dialog im Dunkeln

E-Mail Drucken PDF
dialogimdunkeln1

Eine Ausstellung zur Entdeckung des Unsichtbaren
Konzept: Andreas Heinecke

Nur wenige Menschen haben eine Vorstellung, wie es ist, blind zu sein. Unvorstellbar ist ein Leben ohne Licht, ausgegrenzt zu sein, von Farben und Formen. Menschen erleben vor allem visuelle Eindrücke.

Das Sehvermögen sichert scheinbar allein den Zugang zur Welt, flimmern und flackern doch allerorts die matten Scheiben und schnellen Schnitte. Bildschirme bilden ein visuelles Zeitalter, Buntheit regiert, wir denken, reden, träumen in Bildern, sind unersättlich im Sehen, sehen uns die Augen aus dem Kopf. Schön ist, was zu sehen ist. Wenn die Retina nicht reagiert, bleiben die Eindrücke blass, werden kaum eingebaut in unserer Konstruktion von Welt.

Ist man jedoch in seinem täglichen Umgang mit Blindheit konfrontiert und mit blinden Menschen in Kontakt, erscheint diese Grundhaltung vieler Menschen nicht mehr nachvollziehbar. Blindsein heißt sicherlich von vielem ausgeschlossen zu sein, muss bedeuten, sein Leben an eine absolut visuell ausgerichtete Gesellschaft anzupassen. Es bedeutet aber nicht Verzweiflung und Verlust jeglicher Lebensfreude, da an die Stelle des Nicht-Sehen ein anderes Sehen tritt. Der Alltag bekommt hierdurch eine andere, eine nicht visuelle Qualität. Dinge sind nicht nur schön, weil sie nett aussehen. Die nicht sichtbaren Komponenten werden interessant und bilden die Grundlage des Begreifens. Die Oberfläche einer Tasse, die Beschaffenheit eines Weges, der Lärm in der Kantine, die Windverhältnisse in den Städten, Dinge, die immer vorhanden sind, rücken in das Zentrum und bereichern die Wahrnehmung um ein Vielfaches. Welch Paradoxie, über das Nicht-Sehen, das Sehen neu zu lernen.

Aus diesem Spannungsverhältnis entstand Dialog im Dunkeln, eine Ausstellung, die versucht, die Vorstellungen und die nicht visuellen Wahrnehmungen blinder Menschen zum Ausgangspunkt zu nehmen, um das Unsichtbare in uns und um uns zu entdecken. Dialog im Dunkeln ist sicherlich keine "normale" Ausstellung. Es ist weit mehr eine Plattform zur Kommunikation und zum interessierten Austausch zwischen unterschiedlichen Kulturen, um einen Perspektivenwechsel zu wagen und um Erfahrungen zu machen, ohne belehrt zu werden.

Das Konzept von Dialog im Dunkeln wurde weltweit erfolgreich umgesetzt. Immer begleiten blinde Guides die Besucher durch völlig abgedunkelte Räume, die szenisch gestaltet sind. Als Parklandschaft, als belebte Straßenkreuzung, Bootshaus oder Bar. Dies findet statt als dreistündiger Bestandteil von Managementtrainings für multinationale Konzerne oder als mehrjährige Beschäftigungsmaßnahme wie jetzt in der Speicherstadt in Hamburg. Auch in Hamburg werden viele blinde und sehbehinderte Menschen dem Publikum im Dunkeln die Augen öffnen, um ihnen zu zeigen, dass ihre Welt nicht ärmer - aber anders ist.

Die Ausstellung

Die Idee ist denkbar einfach: In völlig abgedunkelten Räumen führen blinde Menschen das Publikum in kleinen Gruppen durch eine Ausstellung. Aus Düften, Winden, Temperaturen, Tönen und Texturen wird ein Park, eine Stadt oder eine Bar gestaltet. Alltagssituationen, die ohne Augenschein eine völlig neue Erlebnisqualität erhalten. Ein Rollentausch findet statt: Sehende Menschen werden herausgelöst aus sozialer Routine und gewohnter Rezeption. Blinde Menschen sichern Orientierung und Mobilität und werden zu Botschaftern einer Kultur ohne Bilder. Die Wirkung ist beachtlich: „Dialog im Dunkeln“ tourt seit Jahren durch die Lande und wurde bisher in 17 Ländern Europas, Asiens und in Amerika präsentiert. Mehr als 5 Millionen Besucher konnten in die Welt des Unsichtbaren entführt werden. Jeder Dritte Besucher kommt nochmals in die Ausstellung, jeder Zweite empfiehlt diese an seine Freunde weiter.

Seit April 2000 ist Dialog im Dunkeln in Hamburg zu erleben. Hier konnte der Beweis angetreten werden, dass die Ausstellung auch über einen langen Zeitraum ihr Publikum findet und bindet. Der Erfolg ist beachtlich: Mehr als 600.000 Besucher bedeuten eine Auslastung von über 90% und hat die unterstützende Behörde für Soziales und Familie veranlasst das Projekt zu verlängern.

Kontakt & Informationen

Anfragen richten Sie bitte an:

Ticket Service

Tickets für unsere Veranstaltungen erhalten Sie über folgenden Weg: